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Sowjetische
Besatzungs-Zone Curt Paul, Chemnitz
startete bereits im Anwendungszeitraum und in eigener Regie eine
Erfassung der gebräuchlichen Formen der Barfreimachung. Er
veröffentlichte seine Erkenntnisse in einer Broschüre,
die auch erste Preisnotierungen enthielt und der1948 eine
Ergänzung, in Form einer Schreibmaschinen-Vervielfältigung,
folgte. Dann wurde es recht still um die Barfrankaturen.
Westdeutschland
Die Forschungs-Philatelisten der
Arbeitsgemeinschaften „Deutsche Barfrankierungen und
Notentwertungen“ setzten die Prioritäten
vornehmlich auf die Arten der verwendeten Stempel und Vermerke. Es
wurden dabei sehr akribisch die gebräuchlichen Formen -
selbst in winzigen Details - erfasst und die dabei festgestellten
Aufgabeorte alphabetisch aufgelistet. Die Ergebnisse der
Recherchen wurden, in einer praktischen und zuletzt recht
umfangreichen Loseblatt-Sammlung, allen Interessenten zugänglich
gemacht.
Ostdeutschland
Bei der 1973 in Ostberlin gegründeten
„Forschungsgruppe Gebührenstempel“ ging
man davon aus, dass die Form der Barfrankatur lediglich ein
sekundäres Merkmal ist und jeder Briefpost-Beleg in seiner
Gesamtheit betrachtet und beurteilt werden muss. Die
Barfrankaturen wurden infolgedessen wie „lokale Provisorien“
(auch post- und heimatgeschichtlich relevant) eingestuft und die
Forschungstätigkeit entsprechend ausgerichtet. Im Ergebnis
zwölfjähriger Recherchen wurden alle dabei erfassten
Postanstalten der SBZ tabellarisch zusammengestellt, die Arten der
verwendeten Barfrankaturen-, mögliche Erstanwendungsdaten und
die in Verbindung mit dieser Freimachungsform eingesetzten
Aufgabestempel eingefügt und mit einer, der Häufigkeit
am Postort entsprechenden, Punktbewertung (1-12) versehen. Nach
erheblichen Querelen mit der DDR-Staatsgewalt, wurde die
Forschungsarbeit 1985 als Handbuch in einer Auflage von nur 1000
Exemplaren „genehmigt“. Dieses war sofort nach seinem
Erscheinen restlos vergriffen und wird seitdem antiquarisch
desperat gesucht.
Die
unterschiedlichen SystematikenI Eine
erste Erfassung notmaßnahmlich barfrankierter Briefpost aus
der unmittelbaren Nachkriegszeit erfolgte bis 1949 durch den
Chemnitzer Philatelisten Curt Paul. In Anlehnung an die
Arbeiten von Johannes Nawrocki (Inflationszeit) ordnete er die
Stempel und Vermerke unter A, B, C usw. Seine Zuordnungen sind
zwar einigermaßen übersichtlich, jedoch in ihrer
Gesamtheit kaum einprägsam. Diese Version sollte - da ab
1949 eine „ Pause“ in der Forschungsarbeit eintrat -
von jahrzehntelangem Bestand sein. Sie wurde später auch in
einer stark eingekürzten Variante vom Schwaneberger Verlag
für den MICHEL-Briefekatalog übernommen. Ende der
60er/Anfang der 70er Jahre lebte die Forschungstätigkeit in
beiden Teilen Deutschlands wieder auf und es kam in dieser Zeit zu
Begegnungen leitenden Akteure beider Seiten, die sich jedoch nicht
auf eine abgestimmte Verfahrensweise einigen konnten. Während
man sich in der Bundesrepublik auf eine akribische Recherche der
Barfrankatur-Formen ausrichtete, ihrer Verwendung an den
jeweiligen Postorten aber eine eher unter-geordnete Bedeutung
beimaß, ging man in der DDR einen anderen Weg. Man stufte
die Belege als lokale Provisorien ein, analysierte deren
zahlenmäßige Bestände am Postort, registrierte die
Erstanwendungsdaten und erachtete dabei geringfügige Nuancen
bei den Stempelformen als sekundär. Dementsprechend
bildeten sich in der Folge dann auch unterschiedliche - auf die
jeweiligen Forschungsziele ausgerichtete - Systematiken aus.
Während man im „Westen“ erneut alphabetisch
registrierte, legte man im „Osten“ plausible
Abkürzungen für Barfrankatur-Formen, Stempel-Zeilen und
–Schriftarten fest. Die „bundesdeutsche“
Variante erreichte dabei als Loseblatt-Folge-Lieferung im
Wesentlichen fast ausschließlich die Mitglieder der
herausgebenden Arbeitsgemeinschaft, während das in der DDR
generierte System in den Jahren 1985/86 über insgesamt 1000
Exemplare des SBZ-Handbuchs (Kopiak/Skupin) und nachfolgend durch
28500 DDR-Universal-Kataloge (darunter 2500 in die Bundesrepublik
Deutschland „exportierte“) in ganz Deutschland
Verbreitung fand. Als erste diesbezügliche
Veröffentlichung im wiedervereinigten Deutschland, wurde im
Jahre 2000 eine ergänzte Fassung der Loseblatt-Sammlung der
ARGE „Deutsche Notfrankaturen“ (unter Verwendung deren
Systematik) von H.J. Richter, Braunschweig in Buchform
aufgelegt. Bei der Einrichtung dieser Web-Präsenz im
Spätsommer 2000 stellte sich die Systematik-Frage erneut,
denn für den Gebrauch im Internet erwiesen sich alle
bisherigen Fassungen als mehr oder weniger ungeeignet. Hier
konnten nur plausible Bezeichnungen zur Anwendung kommen, die
möglichst wenig Erläuterungen und Abbildungen
erforderten. Die von zahlreichen Auktionen und Briefmarkenhändlern
benutzten Kombinationen aus eingängigen Kürzeln, in
Verbindung mit verbalen Beschreibungen, erwiesen sich als die
praktikabelste Lösung, die in leicht modifizierter Form
letztlich dann auch Anwendung fand.
Ausblick Die
vorrangige Aufgabe besteht darin, vor allem jüngere Menschen
für die Materie zu interessieren und sie für die
Mitwirkung bei der weiteren Erforschung der
Nachkriegs-Barfrankaturen zu gewinnen. Die
Forschungs-Aktivitäten richten sich vor allem auf die
Entdeckung von Belegen bisher unbekannter- und im Auffinden
weiterer Formen und neuer Früh-Daten bereits erfasster
Postanstalten. Auch inhaltliche Korrekturen der vorliegenden
Angaben werden ebenso angestrebt, wie die längerfristige
Erarbeitung realistischer Bewertungen.
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